Delinquente Jugendliche und junge Erwachsene - Evaluationsstudien

(Prof. Wolfgang Heinz, Uni Konstanz, 2014, Der Erfolg jugendstrafrechtlicher Sanktionen - Was wirkt, was wirkt vielleicht, was wirkt nicht?)

Eine der Jugendhilfe angepasste Kurzauswertung & ableitbare lessons learned.

Wissenschaftlichen Standards folgend, fehlt es noch immer an ausreichenden, und vor allem an methodisch standardisiert durchgeführten Evaluationsstudien. „Es kann und darf nicht sein, dass erhebliche Grundrechtseingriffe erfolgen, bei denen unklar ist, ob sie zur Zielerreichung geeignet, erforderlich und im engeren Sinne verhältnismäßig sind“ (Heinz, Info 2014, S. 142). Ohne den Gütekriterien entsprechende Befunde der Wissenschaft ist rationale Jugend- und Kriminalpolitik nicht möglich.

Es zeigen sich jedoch, trotz methodischer Differenzen und überwiegendem Bezug auf Jugendstrafrecht, studienübergreifend essenzielle Fakten, die sogleich in der Jugendhilfe Beachtung finden müssen:

  1. Das ausschließliche Anwenden einer einzigen Interventionsmethode (boot camp, provozierende Konfrontation (AAT, Coolness-Training), gruppenorientierte Antigewalttrainings) ist viel zu wenig. Die Ursachen von Gewalt und dahinterstehende Muster werden zwar kurz, jedoch keineswegs nachhaltig und tragfähig bearbeitet.

  2. Es fehlt an ganzheitlicher und insbesondere nachhaltiger Betreuung über den intensivbegleiteten Interventionszeitraum hinaus. Nachsorge muss als optimierender Prozess  im Sinne nachhaltigen Erfolgs verstanden werden.

    Unsere Einschätzung:

    Ein ganzheitlicher, systemischer Mix pädagogischer, psychologischer und weiterer interdisziplinär notwendiger Maßnahmen stellt unserer Meinung nach eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit im Sinne einer Reduzierung alter Verhaltensmuster und einer Reduzierung der Rückfallwahrscheinlichkeit sicher. Wie immer im Leben hängt es dabei entscheidend von den Akteuren & ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten ab. Wir bieten kein Patentrezept. Behaupten jedoch, dass der Erfolg durch Prozessqualität, ein Höchstmaß an Vertrauen und stabilem Beziehungsaufbau deutlich wahrscheinlicher wird. 

    Damit jedoch nicht genug. Insbesondere der begleitete, beratende und womöglich moderierte Umgang mit Mitmenschen, der alten Clique, der Familie und anderen Stakeholdern nach einer durchgeführten sozialen Maßnahme oder gar Deprivation (im Falle äußerst schwieriger Interventionsmaßnahmen) ist für den Klienten erneut eine Bewährungsprobe. Hier ist es entscheidend, zu beobachten, ob der Klient dieser Situation bereits gewachsen ist und welcher Hilfe es im Übergangs- und Verselbstständigungsprozess bedarf. Phönix bietet hierfür ein umfassendes Übergangsmanagement aller Beteiligten an.

    MS

     

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